Der Eine-Welt-Laden in Bad Neustadt

Eine-Welt-Initiativen, Weltläden und Nord-Süd-Foren engagieren sich zahlreich in Bayern für globale Gerechtigkeit, Solidarität, Frieden und Bewahrung der Natur. 1999 gründeten sie das Eine-Welt-Netzwerk Bayern e.V. um bei mehr Menschen das Verantwortungsbewusstsein für die "Eine Welt" zu wecken und zu stärken. Den fairen Handel gibt es in Deutschland bereits seit 30 Jahren. Zentrale Themen der Agenda 21, wie z.B. Armutsbekämpfung, Klimaschutz, Veränderung unserer Konsum-gewohnheiten und globale Partnerschaft sind schon lange Teil der Eine-Welt-Arbeit.

Auch in Bad Neustadt gibt es seit 1992 die als gemeinnützig anerkannte Aktion "Eine Welt e.V.". Der Eine-Welt-Laden ging aus einem kleinen Verkaufsstand im Gemeindezentrum Mariä Himmelfahrt hervor. Katholische und evangelische Kirche unterstützen das ehrenamtliche Engagement des Mitarbeiterteams, das nach einer Zwischenniederlassung am Oberen Markt und in der Kellereigasse seit Februar 2005 in der Hohnstraße 34 eine Heimat gefunden hat. Das Ladenteam umfasst z.Zt. ca. 35 bis 40 Personen und verfügt über zwei Sprecher und einen Sprecherrat. Die monatlichen Versammlungen finden regelmäßig im Verkaufsgeschäft in der Hohnstraße statt.

Das Eine-Welt-Team verkauft fair gehandelte Waren und informiert im Laden selbst sowie durch Aktionen und Kampagnen über Herstellungsbedingungen in den jeweiligen Herkunftsländern. Landkreisweit werden Kommissionsverkäufe für kirchliche oder sozial engagierte Gruppen durchgeführt. Verkaufsschlager ist der seit 1996 eingeführte Bad Neustädter Partnerkaffee, der ab 2000 die offizielle Zusatzbezeich-nung "Agenda-Kaffee" trägt. Eine Gruppe des Ladenteams schloss sich im Herbst 1999 als Arbeitskreis "Eine Welt" offiziell der Kommunalen Agenda 21 an: Karl-Heinz Buchta, Norbert Dietzel (Arbeitskreisleiter), Siglinde Lind, Clara Maiwald und Klaus Schreck sind die Ansprechpartner.


Eine-Welt-Arbeit und Agenda 21-Prozesse befruchten sich gegenseitig und tragen dem Prinzip "global denken, lokal handeln" Rechnung. Der Agenda-Kaffee spricht viele Bürgerinnen und Bürger direkt an und schafft eine Verbindung zwischen der Lokalen Agenda 21, den Kaffeeproduzenten und den -konsumenten.

Der Eine-Welt-Laden versteht sich als Fachgeschäft des Fairen Handels und führt Produkte, die vor allem beim Erzeuger, aber auch in der weiteren Vermarktungskette hohen sozialen und ökologischen Standards genügen. Unter anderem werden angeboten: Kaffee, Tee, Honig, Wildreis, Vollrohrzucker, Schokolade, Riegel und Bälle, die nicht von Kinderhänden gefertigt wurden;


Etwas näher eingegangen werden soll auf den Bad Neustadter Partnerkaffee, der seit Dezember 1996 im Eine-Welt-Laden erhältlich ist und dem Projekt des Aschaffenburger Pfarrers Otter angehört. Dieser Schritt wurde mit dem Slogan "Bad Neustadt wagt mehr Gerechtigkeit" sehr begrüßt. Beim Partnerkaffee handelt es sich um einen fair gehandelten Kaffee aus Kolumbien mit Transfairsiegel. Durch dieses Siegel wird ein Mindestpreis für die Produzenten garantiert, der deutlich über dem Weltmarktpreis liegt. Der Kaffee wird direkt bei den Genossenschaften der Kleinbauern gekauft, der lokale Zwischenhandel wird ausgeschaltet. Die Genossenschaften erhalten langfristige Abnahmegarantien. Darüber hinaus enthält der Preis des Partnerkaffees einen Solidarbeitrag von 2,50 DM pro kg für das Projekt 'Weg der Hoffnung'. Kinder und Jugendliche ohne Perspektiven bekommen u.a. durch diesen Solidarbeitrag die Möglichkeit, in Tagesstätten und Bildungseinrichtungen eine Ausbildung zu erhalten.

Der Partnerkaffee ist ein hochwertiger, sortenreiner Arabica Hochlandkaffee, der durch die schonende Langzeitröstung besonders magenfreundlich ist. Der Vertrieb erfolgt über den "TransFair"-lizensierten Importeur Kaffee Braun aus Aschaffenburg.

Der faire Handel ermöglicht den Kleinbauern von Rio Sucio eine echte Entwicklungs-chance mit Zukunftsperspektive und bietet den Menschen von Bad Neustadt und Umgebung die Möglichkeit neben dem Genuss eines Hochlandkaffees von höchster Qualität auch einen kleinen Schritt in Richtung "mehr Gerechtigkeit in der Welt" zu wagen.

Der Arbeitskreis "Eine Welt" unterscheidet sich von den anderen Agenda-Gruppierungen dadurch, dass Organisation, Aufgabenfelder und Ziele mit dem Eintritt in die Kommunale Agenda 21 weitgehend feststanden. Die Aktion Eine Welt e.V. existiert in Bad Neustadt schon seit 1992 und konnte bereits auf langjährige Erfahrungen anderer Eine-Welt-Initiativen zurückblicken und auf gefestigten Strukturen aufbauen. Aktive Förderung von mehr Gerechtigkeit in der Welt im Sinne der Agenda 21 wird schon seit Jahrzehnten mit großem Engagement betrieben. Ein klassisches Aktionsprogramm, wie es von den anderen Arbeitskreisen aufgestellt wurde, liegt deshalb nicht vor. Das soll aber wiederum nicht bedeuten, dass es keine neuen Entwicklungsmöglichkeiten und auch keine Ziele mehr gibt.

Die Hauptanliegen des Eine-Welt-Ladens sind nach wie vor:

Fairer, partnerschaftlicher Handel mit den Entwicklungsländern über die Partnerorganisationen Gepa, El Puente und Dritte Welt Partner

Gerechte Preise für die Produkte in der 3. Welt

Menschenwürdige Arbeitsbedingungen; keine ausbeuterische Kinderarbeit

Soziale Absicherung der Produzenten und deren Familien; Gesundheitsfürsorge

Intensive Beratung der Erzeuger und Bildungsprogramme

Förderung des nachhaltigen Wirtschaftens im Sinne von Mensch und Natur

Unterstützung wichtiger Projekte in der 3. Welt, die "Hilfe zur Selbsthilfe" leisten

Die Mitarbeiter setzen sich dadurch nicht nur für möglichst gerechte Handelsbeziehungen mit den Herstellern ein, sondern spenden auch die Gewinne, die der Laden erzielt, für Projekte in der sogenannten 3. Welt. Unterstützt werden z.B. die Stiftung "Weg der Hoffnung" von Pfarrer Otter, das Straßenkinderprojekt von Frank Weber und verschiedene Projekte von Misereor und Brot für die Welt. Mit diesen Aktivitäten wird also "Hilfe zur Selbsthilfe" sowohl bei den Produzenten als auch bei den Ärmsten der Armen in der 3. Welt geleistet.