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Vortrag: "Fair handeln mit Geld"
Mikrokredite zur Existenzgründung sind ein wirksames Mittel, um Armut zu bekämpfen

Bad Neustadt (lab) Was kann man hier vor Ort, in Bad Neustadt, tun für eine bessere Welt? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Zukunftskonferenz im Mai; eine Antwort darauf wurde nun im Bildhäuser Hof gegeben: Man kann "Fair handeln mit Geld", so das Thema des Vortrags von Dr. Joachim Schneider, dem Leiter der Geschäftsstelle Oikocredit Bayern.

Oikocredit ist mit rund 208 Millionen Euro Kreditsumme der weltweit größte private Finanzierer von Mikrokrediten für Entwicklungsländer, vorrangig in Lateinamerika. Diese Mikrokredite in Höhe von 50 bis 2000 Euro gehen zur Existenzgründung an Menschen ohne materielle Sicherheiten.
Eine Kuh kaufen oder Saatgut, die Ausstattung für einen Marktstand oder einen kleinen Schneidereibetrieb, um in Zukunft von den Erträgen der eigenen Arbeit leben zu können: das sind die Projekte, die Mikrokredite unterstützen.
Mikrokredite zur Existenzgründung sind ein wirksames Mittel, um Armut zu bekämpfen.
Nicht umsonst wurde die Idee der Mikrokredite 2006 mit einem Friedensnobelpreis für Muhammad Yunus und seine Grameen Bank ausgezeichnet, die nach demselben Prinzip arbeitet. Selbstbewusstsein und Eigenverantwortung der Kreditnehmer könne man mit Mikrokrediten fördern, erklärte Schneider, außerdem die Anfälligkeit für Gewalt und Terrorismus minimieren und, wenn vor Ort eine Existenz möglich ist, die Flüchtlingsströme reduzieren.

Auch wenn Eigenkapital keine Voraussetzung ist: Nicht jeder bekommt einen Kredit.
Finanzinstitute vor Ort prüfen, ob die Geschäftsidee wirtschaftlich tragfähig ist.
Schließlich nutze es niemandem, wenn der Kreditnehmer am Ende in die Schuldenfalle gerät und seine Kredite nicht mehr zurückzahlen kann.

Bevorzugt werden Projekte, an denen Frauen maßgeblich an Leitung und Umsetzung beteiligt sind, denn diese, so zeige die Erfahrung, seien verantwortungsbewusst und zuverlässiger in der Rückzahlung.
Weiterhin werden Genossenschaften bevorzugt, etwa ein Zusammenschluss von Frauen eines Dorfes. Innerhalb der Genossenschaft entsteht einerseits sozialer Druck zur Rückzahlung, andererseits steht jeder für den anderen ein. Neben der Kreditvergabe findet auch eine umfassende Beratung und Schulung statt.

Diese Beratungstätigkeit, die den Erfolg des jeweiligen Projekts unterstützen soll, ist es auch, die die Kredite mit einem Zinssatz von rund 30 Prozent verhältnismäßig teuer macht. Dennoch sollte, wer sein Geld in Mikrokredit-Projekte investieren möchte, darauf achten, dass eine solche Beratung stattfindet.

Sein Geld auf diese Art zu investieren sei etwas für Menschen, die nicht auf politische Entscheidungsträger warten, sondern hier und jetzt etwas tun wollten, erklärte Dr. Joachim Schneider - gemäß dem Motto der vielen Menschen, die an vielen Orten viele kleine Schritte tun und so das Gesicht der Welt verändern, wie die Initiatorin des Projekts, Stadträtin Franziska Burmester, ergänzte.
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